Fügt sich in traditionelle wie moderne Bäder: Neuheit Vaia. (Dornbracht) Fügt sich in traditionelle wie moderne Bäder: Neuheit Vaia. (Dornbracht) Retro-Look im „Barefoot“-Design bei Til Schweiger. Retro-Look im „Barefoot“-Design bei Til Schweiger. Armaturen, die Industriegeschichte zitieren. (Foto Waterworks) Armaturen, die Industriegeschichte zitieren. (Foto Waterworks) Nostalgie mit technisch neuem Innenleben. (Foto Axor) Nostalgie mit technisch neuem Innenleben. (Foto Axor)

Reif für Retro

Ein bisschen Nostalgie darf sein

Vintage und Retro liegen groß im Trend: von klassischen Möbel- und Leuchtenentwürfe aus den 60er Jahren, wie Cocktailsessel und Tütenlampe, bis hin zum Shabby Look. Und wann kommt Retro in Bad & WC an? An der Ostsee machte kürzlich ein bekannter deutscher Filmschauspieler sein erstes Hotel auf, nachdem er bereits in Hamburg ein „Deli“ eröffnet hatte: beide edelrustikal und inspiriert von einem lässigen Neuengland-Stil, komplettiert in Bad und Gäste-WC mit englischen Retro-Armaturen. Dazu Fliesen im handwerklichen, unregelmäßigen Look, der an alte Waschküchen erinnert und zusammen mit gekälkten Holzmöbeln und (im Falle der Bäder) mit freistehender Retro-Wanne Gemütlichkeit ausstrahlt.

Boutiquehotels zeigen es landauf, landab: Gefragt ist immer wieder ein Designkonzept, das sich vom modernen Mainstream absetzt und für eine „Story“ Kultur- und Industriegeschichte zitiert. Badplaner können für dieses Ergebnis aus vielen Quellen schöpfen und zugleich modernen Komfort – kaschiert in nostalgischer Hülle – einbauen: Zu Naturstein und Massivholz lassen sich viele stilvolle Armaturen kombinieren, die mit Sonderoberflächen wie Bronze-, Kupfer- oder gar Goldoptik die gewünschte Aura bieten. Noch nie gab es so viele Angebote an Spezialoberflächen für das Bad wie heute! In Düsseldorf eröffnete unlängst das Boutiquehotel „The Fritz“, das – ungewöhnlich für ein Hotel in Deutschland – ganz auf Gold-Optik bei den Badarmaturen und Brausen setzt. Aus Sicht der Hotel-Investoren und Designer greift der opulente Glanz das Thema „Grand Hotel“ auf, das man neu interpretieren möchte. Aktuellen Komfort wie Thermostate und geschmeidige Mischertechnik wissen die Retro-Armaturen allesamt bestens zu integrieren.

Auch deutschen Hersteller sind für den Retro-Trend gut aufgestellt und erweitern ihr Portfolio um Inspirationen aus der traditionellen Stilwelt, so etwa Dornbracht mit einer Neuheit zur diesjährigen Leitmesse ISH: Bei Vaio verschmelzen klare Geometrie und Retro-Anmutung in einem so genannten „Transitional Style“ – gedacht als Brücke zwischen Purismus und Emotion. Eine andere Marke hielt den Zeitpunkt für gekommen, eine bereits 2006 eingeführte Retro-Kollektion aufzufrischen: Axor stellte für „Montreux“ ein Update vor und weckte damit sogar das Interesse einer Sonntagszeitung. So wird als neu entdeckt, was etabliert ist, aber just den Zeitgeist trifft.

 

Heinz Kaiser, Design-Journalist und Buchautor („Die besten Bäder zum Wohlfühlen“, Callwey). 19 Jahre lang hat er für „Schöner Wohnen“ und „Häuser“ über Trends im Interior design berichtet, dabei insbesondere aus der Badbranche.

Licht-Poesie & Wasserfall: Aquamoon (Dornbracht). Licht-Poesie & Wasserfall: Aquamoon (Dornbracht). Kopfbrause XL vertikal und diagonal (Axor)                Kopfbrause XL vertikal und diagonal (Axor)

Regenhimmel-Choreografie mit LED (Gessi) Regenhimmel-Choreografie mit LED (Gessi)

Dusch-Thermostat mit Cardio-Programm (Hansa) Dusch-Thermostat mit Cardio-Programm (Hansa)

Duscherlebnis XXL

wie noch nie

Alles Gute kommt von oben, und kein Wunder, dass sich vor allem die Brausehersteller von dieser Volksweisheit inspirieren lassen: Bei der Leitmesse ISH 2017 in Frankfurt hatte das Duscherlebnis XXL ganz besondere Auftritte.

Geradezu poetisch das geheimnisvolle, indirekte Licht aus einer Deckenöffnung, um dessen kreisförmigen und etwas nach unter gestülpten Ring sich ein Wasserfall ergießt: Aquamoon, vorerst noch eine Konzeptstudie von Dornbracht, aber im dortigen Programmsegment LifeSpa bestens aufgehoben. Dort macht sich die Marke viele Gedanken um die gesundheitsfördernde Wirkung von Wasser(anwendungen), etwa durch Wassergüsse und –massagen, vertikal oder horizontal/schräg.

A prospos: Ein im besten Sinne schräges Strahlbild liefert die neue, ungewöhnliche Regenbrause im Breitformat, ShowerHeaven von Axor. Bei diesem Deckenmodul klappen in Reihe angeordnete, zusätzliche Brausen optional  heraus und beregnen den Duschenden diagonal. Und, ja, die Haare könnten dabei trocken bleiben...

Aber im Vordergrund stehen die vielfältigen Spielarten von Wasser: bei Axor ein neuer, seidenweicher „PowderRain“, bei Dornbracht z. B. fast schwerelose  Tropfen. Neben dem ruhigen, poetischen Vollmond der Aquamoon spielen andere Luxusduschen mit LED-Lichtchoreografien, die die Objekte ebenfalls zu raumprägenden Hinguckern machen.

Innovatives Duscherlebnis, optisch weniger spektakulär, aber auch am Thema Gesundheit orientiert, bietet darüber hinaus das neue Hansa Emotion Wellfit Duschsystem: Der Thermostat hat ein eingebautes Cardio-Training, das auf Knopfdruck (s. kleines Herz-Symbol) drei verschiedene Warm-Kaltwasser-Duschprogramme ablaufen lässt. Wem das manuelle Wechseltemperatur-Duschen zu umständlich ist oder zuviel Überwindung kostet. Und keine Angst: Das Programm stellt sich hinterher auf Null, so dass wir keine Überraschungen vom cardio-aktiven Dusch-Vorgänger erleben.

Dunkle Designvariante bei  „Fusto“ (Foto A. Lupi) Dunkle Designvariante bei „Fusto“ (Foto A. Lupi) Säulen „Ago 85“ mit weicher Linie (Foto A.Lupi) Säulen „Ago 85“ mit weicher Linie (Foto A.Lupi) Duschen am Waldrand mit Badtapete von Wall&Déco Duschen am Waldrand mit Badtapete von Wall&Déco Waschtischsäule „Ariana“ mit praktischer Ablage (Foto Wall&Déco) Waschtischsäule „Ariana“ mit praktischer Ablage (Foto Wall&Déco)

Impulse

von der imm 2017

Das neue Jahr startet immer mit einem Marathon von Einrichtungsmessen: Beginnend mit der BAU München über die international bedeutende Möbelmesse imm cologne und die charmante Maison objet in Paris sowie die Design-Messe in Stockholm bis hin zur ISH 2017 in Frankfurt, mit der das Quartal seinen Höhepunkt an Neuheitenwert erreichen wird. Zumindest aus der Sicht der Bad-Design-Freunde. Und stets bin ich gespannt, was von den Neuheitentrends nach der Messe im Kopf hängen bleibt und vielleicht auch für das Bad relevant sein könnte.


Die jüngste Eindruck:
Der Trend zum etwas gemütlicheren Wohnen mit Kuschelqualität geht weiter, abzulesen an den fließenden Designs der Sitzmöbel und ihren kissenartigen oder volumig abgesteppten Polstern. Und der Retro-Trend hält an, der mit seinen vertrauten Formen (Cocktailsesselchen und fragile Gestelle) Sympathie weckt. Diese Heimeligkeit wird unterstrichen von viel Holz und gedeckten Farben, die auf den Messen vielfach bis zur Düsternis abgedunkelt waren: Besonders bei den diesjährigen Küchen-Neuvorstellungen, die ihren zunehmenden Wohnmöbel-Look gerne vor anthrazit-grauen Wänden, Ziegeln oder dunklen Edelhölzern präsentierten.


Wenn man den Herstellern und ihren Präsentationen folgt, scheint sich der Trend zu Anthrazit und dunklen Farbtönen aus dem Wohn- und Schlafbereich ins Bad fortzusetzen. Auf der Maison Objet zeigte Antonio Lupi seinen neuen Waschbrunnen „Fusto“ mit einer fast schwarzen Oberfläche (das Mineralgussbecken war im Inneren dafür weiß), und auch mit der fließenden, fast zärtlich eleganten Formgebung des Waschbrunnens „Ago 85“ traf er zweifellos den Zeitgeist. Der freistehende Waschtisch ist ein organisch geformter Kelch und erinnert damit an die Natur. Das ist auch Referenzraum für den Oberflächenspezialisten Wall & Déco, der in Köln u. a. seine von den 70er Jahren inspirierten Tapeten „Contemporary“ in ruhigen und warmen Farben vorstellte, die mit der speziellen WET-Technik auch badtauglich angeboten werden. Wie immer faszinierend in der großflächigen Wirkung, die einen zum Beispiel in der Dusche vor eine geheimnisvolle Blätterwald stellt – bildlich gesehen.


Weich geformt auch das neue Design bei Agape, „Ariana“ aus der Feder von Patricia Urquiola, Stardesignerin vor allem im Möbelbereich. Die angeschrägten Kanten der Becken und Wanne sind ein origineller, ebenso einfacher wie künstlerischer Akzent, der zum Trend nach Individualität im Interior Design passt. Dazu wird uns in wenigen Wochen die ISH 2017 mit den neuesten Impulsen versorgen!

Vintage-Look auf Fliesen „Arte Pura“ (Refin) Vintage-Look auf Fliesen „Arte Pura“ (Refin)

Trend zur Haptik: Relief in Kalksteinoptik „Stoneart“ (Marazzi) Trend zur Haptik: Relief in Kalksteinoptik „Stoneart“ (Marazzi)

Wandkeramik mit feiner, Haptik, Serie „W_all“ (Flaviker) Wandkeramik mit feiner, Haptik, Serie „W_all“ (Flaviker)

Zement oder schon Fliese? Wischeffekt „Backstage“ (Flaviker) Zement oder schon Fliese? Wischeffekt „Backstage“ (Flaviker)

Fliesen

Strukturen liegen im Trend

Neulich auf einer Informationsveranstaltung mit Architekten und Designliebhabern in Deutschlands nördlichster Millionenstadt: Nein, Wohnfliesen seien ja so was von gestrig, sagt der Nebenmann aus dem Baugewerbe, und an die Wand gehörten Fliesen gar nicht, man denke nur an die kleinteilig gekachelten Räume... Starke Aussage, leider ohne Kenntnis der Designentwicklungen, von denen es auf der Leitmesse der Fliesenbranche „Cersaie“ im Herbst in Italien wieder jede Menge zu sehen gab. Die Trends für Boden und – selbstverständlich – die Wand lauteten: erstens Haptik und Oberflächenstrukturen, zweitens Edelrustikales & Patina und schließlich Großformate. Letzterer Trend entwickelt sich seit Jahren, zu immer größeren und dabei dünnen Formaten, aber ganz herumgesprochen hat er sich wohl nicht: siehe oben.

Was die Haptik angeht, so sind die maßgeblichen und international tätigen Fliesenhersteller auf textile Interpretationen und sozusagen handwerklich verarbeitete Stoffe verfallen: Man denke an Leinen, knittrige Baumwolle und so etwas wie die gute alte Häkeldecke. Diese Vorlagen, übersetzt in reliefartige Oberflächenstrukturen, jetzt also in Feinsteinzeug.

Der Übergang zum zweiten Trend, der den Eindruck von „echten“ Materialien wie Zement und Beton oder frischen Putzoberflächen zu erwecken versucht, ist fließend. Denn auch die XXL-großen Fliesen, die frischen Beton und manuell glatt gezogenen Putz imitieren oder – hart am Kitsch – die so beliebten, „loftigen“ Backsteinwände nachahmen, bieten gerne haptische Erlebnisse. Als harte, durchgefärbte Platten (kein Abrieb von Dekor) sind sie alles andere als Fototapeten auf Keramik oder Drucke, und als widerstandsfähige, homogene Keramik für Wand und Boden gleichermaßen lassen sich durchgängige Effekte erzielen, die bei herkömmlicher, glasierter Keramik unmöglich waren: Wer früher einen fließenden Übergang vom Boden (matte) in die Wandfläche wünschte wünschte, musste das Licht dimmen, so unterschiedlich wirkten die Fliesen selbst bei derselben Serie. Mit den heutigen, als rutschhemmend definierten Platten, die sowohl-als-auch eingesetzt werden können, ist das natürlich ganz anders. Und vielleicht ja mal eine Anregung zum kreativen Spiel von Bauherr und Planer.

Und was ist mit den Holz-Nachbildungen in Keramik? Es gibt sie auch auf den Neuheitenmessen weiterhin, sie scheinen sich im Markt etabliert zu haben, wobei sich auch im Fliesendesign der Wohntrend zu „Vintage“ und Patina durchsetzt: Holz- und Zementputz-Interpretationen mit vermeintlichen Gebrauchsspuren, jede Fliese dabei anders, wirken wie aus Altstoffhändler. Eine Lust am Gestern zeigt sich da, zumeist modern kombiniert, wobei sich ja niemand die erwähnten klein-klein gefliesten Bäder zurückwünscht.

Alles auf der sicheren Bank - Ablage im Becken (Alape). Alles auf der sicheren Bank - Ablage im Becken (Alape). Die Seife steht im Wasser und tropft nur dorthin (Laufen). Die Seife steht im Wasser und tropft nur dorthin (Laufen). Wasser fließt durchs Gitter aus Hi-Macs (NotOnlyWhite). Wasser fließt durchs Gitter aus Hi-Macs (NotOnlyWhite). Unterm statt im Becken: LED zur Orientierung (Keramag). Unterm statt im Becken: LED zur Orientierung (Keramag).

Waschtische

mit Zusatznutzen

In der Einrichtungswelt ist in den letzten Jahren immer wieder die Rede davon, dass die Möbel „intelligenter“ werden. Was nicht allzu wörtlich zu nehmen ist, denn meistens ist damit nur gemeint: Sie sollen Zusatznutzen bieten, also umzubauen oder verstellbar sein oder ein überraschendes Plus bieten wie die Dockingstation fürs iPad. Im Bad setzen viele Hersteller auf solche Extrafunktionen wie Licht aus der Kopfbrause oder dem Wasserhahn (zwiespältige Resonanz), Digitalradio und Uhrzeit im Badspiegel (viel Aufwand für etwas Stationäres in diesen mobilen Zeiten) oder servieren Audio-Erlebnisse in der Badewanne (für Experten: Schallwandler unter der Wanne, Lady Gaga unter Wasser). Während Licht-Therapie in der Sauna ein etabliertes Extra ist, kann das LED-Orientierungslicht als Plus am Waschbecken aber noch verblüffen. Ein Keramikhersteller hatte diese Idee zur letzten Leitmesse ISH vorgestellt. Die dezente Lichtfuge könnte dann auch meinen Freunden ersparen, nächtens die Spiegelbeleuchtung eingeschaltet zu lassen, falls noch mal jemand ins Bad... Licht am Spiegel verbraucht zwar wenig Strom, aber den Übernachtungsgast irritiert, dass es unter der Tür hindurch schimmert und man rätselt: Ist das Bad vielleicht doch besetzt?

Und wo gerade die Rede vom Waschplatz ist: Hier sieht es mit den Zusatzfunktionen in der Regel  mager aus, was soll man schon an das Becken hinzu addieren, zumal es sich in der Mehrzahl um Keramik handelt, die funktionale Extras nicht einfacher macht. Aber dieser Schluss ist voreilig! Man kann am Becken sehr wohl einen Extrakomfort zaubern, der sogar unmittelbar Teil des Designs wird: Das fiel mir auf, als ich mir die konstruktiv integrierten Ablagen ansah, die einige designorientierte Waschplatzanbieter quasi „ins Wasser gebaut“ haben. Seife und die kleinen nützlichen Dinge gleich am Wassereinlauf (z. B. Nassrasierer) verschmutzen beim Hantieren nicht auf den glänzenden Waschtisch, die Seife flutscht nicht über die glatte Oberfläche zu Boden, und mit Tropfspuren ist es auch vorbei – alles landet im Becken.

Schöne Beispiele für diese „integrierten Waschbecken“ haben jüngst vor allem Alape und Laufen, aber auch der niederländische Spezialist in Mineralwerkstoff NotOnlyWhite vorgestellt. Im Grunde genommen integrieren diese Becken einen wesentlichen Vorteil von Wandarmaturen – nämlich, dass der Waschtisch selbst sauber bleibt – in ihr Design und verlangen dafür nicht einmal besonderen Aufwand wie er für die Unterputz-Armaturen notwendig ist. Eine saubere Sache.

Siphon anno 1910 – Technik wird zum verspielten Akzent. Siphon anno 1910 – Technik wird zum verspielten Akzent. Ablauftechnik für moderne Designbäder (Dornbracht). Ablauftechnik für moderne Designbäder (Dornbracht). Kubistisch pur (Schell). Kubistisch pur (Schell).

Bad-Tuning

an vernachlässigter Stelle

Es ist ja gerade Urlaubszeit, und da steht neben Seele-baumeln-lassen und Sonne (falls sie rauskommt) auch manche kulturelle Sehenswürdigkeit auf dem Programm – etwa ein Schloss oder historisches Anwesen. Und ich schaue, ehrlich, dann immer ins Bad: Wannen mit Löwenfüßen, Marmor und Messing sind zu erwarten, aber ein Detail sprang mir neulich besonders ins Auge: nämlich der Siphon am Waschtisch von 1910 – eine kunstvolle Schneckenform für den Geruchsverschluss, begleitet von hübschen Sterngriffen an den Eckventilen. Welche Liebe zum Detail!

Mit der Nahbetrachtung der kunsthandwerklichen Metallarbeit wurde es dann zwar nichts, da das quasi antike Bad auf dem Landsitz der einst schwer reichen Familie Vanderbilt mit Kordel abgeschirmt war. Dennoch gilt festzuhalten, dass sich deren Schönheitssinn auch auf technisch Banales erstreckt hatte, auf Funktionen, über die auch damals wohl kaum ein Wort verloren wurde. Es wird also Zeit, den heutigen Nachfahren in dieser Vermögensklasse etwas die Blicke zu schärfen für die kleinen Dinge bei der Ausstattung ihrer High-End-Wohnungen und Villen: Darauf zu achten, dass der edle Design-Waschtisch auch „untenrum“ gut aussieht und dass keine Billig-Eckventile die schöne Wandabwicklung verunzieren.

Auf die Gefahr hin, das Thema müde zu reiten: Auf die Eckventile muss einfach noch mal hingewiesen werden. Sie fallen ja durchaus in den Blick, gerade bei der klaren Badarchitektur oder wenn Sperrventile etwas prominent platziert wurden, was einem in mancher Renovierung begegnen kann. Die designaffinen Markenhersteller haben zu allen Armaturen- und Waschtischlinien das entsprechend stilvolle Zubehör. Und wer den alten Röhren-Geruchsverschluss – das berühmte „Abfluss-Knie“ – durch einen Design-Siphon ersetzt (und die Eckventile austauscht!), hat für wenig Geld sichtbares „Bad-Tuning“ erreicht. Wie bei den Vanderbilts, wo der Messing-Siphon beim Betreten des Bads nicht nur mir sofort ins Auge fiel.  

Waschtisch mit dezenter Rinne (Alape). Waschtisch mit dezenter Rinne (Alape).



Einheit aus Stein mit Umlaufrinne (baqua). Einheit aus Stein mit Umlaufrinne (baqua).



Mit sanfter Mulde (Design Kai Lüchow). Mit sanfter Mulde (Design Kai Lüchow).



Klassisch: Glas-in-Glas ultrafalch (Rapsel). Klassisch: Glas-in-Glas ultrafalch (Rapsel).

Waschtische

mit Überraschungseffekt

Es gibt ja Technik, deren Funktionieren akzeptieren wir erst nach einer genauesten, eigenen Prüfung: auch, wenn sie am Markt erprobt ist und als gegeben gelten muss. Virtual Reality mit 3-D-Brille beispielsweise, die mir in einem leeren Raum ein Komplettbad vorgaukelt: Kann man mir noch so oft erklären, aber ohne eigenen Testlauf... Und um Sinnestäuschung und ungläubiges Staunen geht es  auch bei einer bestimmten Kategorie von Waschtischen. Die Rede ist von dem ultra-flachen Design mit Prallplatte (Wäre eine schöne Frage fürs Quiz bei Jauch: „Was ist eine Prallplatte?“).

Fließendes Wasser aus gewisser Höhe auf eine Ebene prallen zu lassen, auf der es sich womöglich noch ein Stück weit verteilt, bevor es in einer fast unsichtbaren Rinne verschwindet: Wasser-Zauberei, die den Waschtisch zum minimalistischen Hingucker macht. Entsprechend die Reaktionen auf „Betty Blue“, dem buchstäblichen Wasch-Tisch (Alape), bei dem man versucht ist, das vermeintlich überfließende Wasser aufzufangen. Faszinierend, wie das Wasser eine Oberflächenspannung besitzt, die ungehemmtes Verlaufen verhindert, und beim Aufprall keinesfalls durch die Gegend spritzen muss. Das gilt auch für die Waschtische, die von der Firma baqua angeboten werden, die mit Prallplatten in Stein, Glas oder Corian arbeitet. Zur Attraktivität trägt der ultraflache Quer-Ablauf bei: Kein Siphon unterm Waschtisch, der Geruchsverschluss ist in die Vorwand verlegt. Das Prinzip der äußerst dezenten Umlaufrinne wendet baqua auch erfolgreich auf Duschflächen an.

Das klare Design der Prallplatte ohne äußere Begrenzung und dafür mit einem diskreten Rinnenablauf kombiniert, ist natürlich die reinste Form von „Wasser-Zauberei“. Weniger puristisch, weil noch mit einer minimalen Aufkantung versehen, die aber im „Ernstfall“ nicht viel auffangen würde, sind die Cousins der genannten Prallplatten-Waschtische: Der Glas-in-Glas gearbeitete Waschtisch „Nost“ (Rapsel) ist schon fast ein Klassiker und auch hier zeichnet das Design quasi klare Kante. Etwas weicher kommt schließlich der Mineralguss-Waschtisch aus der Feder von Designer Kai Lüchow daher.  Auch hier eine zentrale Prallplatte, aber andererseits auch eine gefällige, sanfte Mulde. Der erste Hersteller, Ardino, strich das Modell „Luca“ trotz Nachfragen aus dem Programm, und Lüchow sucht jetzt einen neuen Hersteller. Es sollten sich doch genügend Badbesitzer davon überzeugen und verzaubern lassen, dass die Technik mit der Prallplatte funktioniert.

Designwanne trifft auf Steinwand (The Chedi Andermatt) Designwanne trifft auf Steinwand (The Chedi Andermatt) Designakzente Norm Architects Kopenhagen Designakzente Norm Architects Kopenhagen Ultra-rustikal aber neu (Foto Nicolas Koenig) Ultra-rustikal aber neu (Foto Nicolas Koenig) Betonbecken vor Brettern: einfach schön. Betonbecken vor Brettern: einfach schön.

Materialien mit Geschichte(n)

Es ist immer wieder überraschend, wie sich aktuell der Design-Trend zu Natürlichkeit und authentischen Materialien präsentiert: Böden und vor allem Wände zeigen immer häufiger „Patina“ (nicht real verwittert, sondern mit gut nachgeahmten Alterungsspuren), Oberflächen sind edel-rustikal und bieten sinnliche Eindrücke für den Benutzer oder Betrachter. Man streicht gern über nackten, unregelmäßigen Putz, berührt fasziniert eine grobe Steinwand oder ein Paneel aus recycelten Brettern. Ja, „Vintage“-Optik ist schwer angesagt und verbindet sich mit dem Naturtrend.
Man begegnet diesem Vintage-Look, der mit dem Naturtrend verschmilzt und manchmal geradezu „archaisch“ wirken kann, in vielen aktuellen Veröffentlichungen: Da setzt das Bad in einem 5-Sterne-Hotel gezielt grobe Steine ein und inszeniert die Design-Wanne vor einer Wand, die aus dem Bergwerk stammen könnte; ein skandinavisch-moderne Stadthaus entscheidet sich beim Bad für ein klösterliches Refugium mit überraschend dunkler Stimmung; das „archaische“ Bad in einem New Yorker Penthouse (u.a. von Robert de Niro entworfen) entpuppt sich als Nassbereich wie bei „Game of Thrones“ und nicht zuletzt grobes Holzpaneel und haptisch wirkender, offenporiger Travertin sind beliebte Akzente. Ein wenig aus dem Fokus ist dabei der fein polierte Limestone geraten, der lange Zeit so beliebt in Premium-Bädern war. Das neue Design kommt etwas ruppiger daher.

Material mit deutlicher Rustikalität hat zwei Aspekte: Zum einen sind die authentischen, weniger glatt polierten Oberflächen wunderbare optische Träger für glänzendes Design vor der Wand, von der geometrischen Keramik über die Waschtischarmatur bis zur High Tech-Dusche. Wobei der Badplaner hier auch zu Sonderfarben wie Schwarz matt oder Nickel gebürstet greifen kann. Zweitens ist der Vintage-und-Patina-Stil hoch individuell und verlangt nach Beratung. Für Bauherren ist es nämlich gar nicht so einfach, die passenden Materialien mit der gewünschten Wirkung zu finden und perfekt zu kombinieren. Da kommt der Badplaner ins Spiel, der sich auf Messen nach Trends und Quellen umschaut. Und der einzelne Lieblingsstücke und Materialpräferenzen bewusst kombiniert.

Faszinierend an den Materialien, ob es die genannten oder z. B. recyceltes Holz, Ziegelwände, Lehmputz oder schlichter Estrich sind, sind ihre Geschichten von Herkunft und handwerklichen Traditionen. Wohl das Wichtigste an „starken“, haptisch reizvollen  Oberflächen ist die emotionale Qualität, die sie ausstrahlen.

Mineralguss und Holz mit Stil  (Keuco) Mineralguss und Holz mit Stil (Keuco)



Aufsatzbecken zum freien Kombinieren  (Bette) Aufsatzbecken zum freien Kombinieren (Bette)



Mini-Waschplatz aus einem Guss (Alape) Mini-Waschplatz aus einem Guss (Alape)

Kompakt

clever und stilvoll

In Sachen Gäste-WC muss ich einräumen: „Wer zu spät kommt, den trifft der Spott der Nachbarn.“ Denn obwohl auf dem Laufenden, was die Optionen für den kleinsten Raum der Wohnung angeht, und seit langem renovierungswillig, so bin ich jetzt von denen aus dem fünften Stock ausgebremst worden: Ihr Gäste-WC ist neu und meines ein Relikt der 90er Jahre. Ja, es gibt Handlungsbedarf!
 

War das Gäste-WC früher nur so etwas wie der umbaute Raum fürs Klo, und das Handwaschbecken eine geschrumpfte Version der „richtigen“ Badobjekte der Keramikmarke, so hat sich das stark ausdifferenziert. Aus der Platznot haben die Waschplatzanbieter eine Tugend der cleveren Stauraum- und Waschplatzlösungen gemacht. Da wird der Wasserhahn neu platziert (inkl. der Option Wandarmatur), und beim Stauraum für Pflegeprodukte oder kleine Handtücher steht der Benutzer im Fokus: Stimmt die Ergonomie, wohin gehört praktischerweise die Ersatzpapierrolle, wie lässt sich noch eine platzsparende Mini-Handtuchstange unterbringen?
 

Die neuen Kompaktlösungen für den Kleinstwaschplatz integrieren das alles in einem schlüssigen Konzept voll cleverer Details. Man muss dann nur noch gemäß der Raumverhältnisse entscheiden, ob Stauraum und Armatur besser links oder rechts liegen, und über das Design entscheiden: vom Hochglanz bis zu diversen Edelholz-Furnieren, von Holz–Optik bis zu Glasoberflächen. Nicht zuletzt gilt es, den passenden Spiegel auszusuchen. Und zwar mit einem ebenso funktionalen wie charmanten Licht, denn das Gäste-WC ist in vielen Fällen ja auch der schnelle Boxenstopp für die Kosmetik.
 

Dabei lässt sich fantasievoll mit Design experimentieren. Dazu gehören übrigens auch ästhetische WC-Keramik und Radiator. Meine Nachbarn haben passend zu Natursteinfliesen einen rustikalen Waschtisch gewählt: Ein Brett mit Bearbeitungsspuren, ein Unikat wie Treibholz, trägt das filigrane Aufsatzbecken. So wird das Gäste-WC zum Geschichtenerzähler.

"Stone likes Water" von Pibamarmi "Stone likes Water" von Pibamarmi Waschschüssel "Duo" von Neutra Waschschüssel "Duo" von Neutra Steinschale von Karol aus der Serie Xil Steinschale von Karol aus der Serie Xil

Naturstein

und seine Freunde

Was wohl von dem rustikalen Natursteinbecken zu halten sei, wurde ich neulich gefragt: Eine rustikale Schale war im Internet entdeckt worden, der Preis für heiß befunden, und die Herkunft aus Indonesien und der fragwürdige Händler bereiteten keine Sorgen – der raue Charme zählte, die Aura des Unikats. Gegen die Emotionen, die das grob bearbeitete Objekt auslöste, über das nur karge Informationen zu gewinnen waren, lässt sich nichts sagen – zu dem Plan, es im laufenden Hausbau einzusetzen, aber doch mancher Gedanke ins Feld führen: Sind die Maße verlässlich, wer steht bei Reklamationen gerade – der osteuropäische Händler? Und was, wenn bei Steinwaschtischen Bohrungen oder Nacharbeiten nötig werden? Rechnete sich das Online-Schnäppchen dann noch?

Der Ausgang der Geschichte ist offen: Das Nachdenken im Haushalt der Nichte hält noch an. Bemerkenswert ist jedoch, wie stark auch bei Wohnanschaffungen, die für das Bad ja recht langfristig angelegt sind, das Bauchgefühl regiert: Aufgrund ihrer samtenen Haptik werden Betonwaschtische ohne Kenntnis der Fleckbil- dungsgefahren gekauft, ungeeigneter Stein „geschossen“, Mosaik wird im Versandhandel gekauft und danach über das Fugenbild gejammert.

Ja,  Natursteine liegen im Trend, gerade aufgrund ihrer unverwechselbaren Materialität und Ausstrahlung, und weil das Handwerkliche und „Authentische“ gefragt sind. Aber ohne fachliche Beratung und kompetenten Ansprechpartner für den „Fall der Fälle“, kann der Weg zum Naturstein-Glück buchstäblich über Geröll führen. Dann doch lieber das Objekt von einem anerkannten Hersteller, eingebaut von einem Badplaner, der das schon jahrelang macht. Damit die Emotionen, die das Naturprodukt in Aussicht stellt, nicht eine unerwartete Wende nehmen.

Enge Radien, feine Wandstärke: Val (Laufen) Enge Radien, feine Wandstärke: Val (Laufen) Shui Comfort in ExtràCeramic (Cielo) Shui Comfort in ExtràCeramic (Cielo) Artis in TitanCeramic (Villeroy & Boch) Artis in TitanCeramic (Villeroy & Boch) Innovative Feinkeramik: Trace (Valdama) Innovative Feinkeramik: Trace (Valdama)

Materialtrend

Keramik extradünn


Charakteristisch für Trends ist, dass man von ihnen erst sprechen kann, wenn sie in Gang gekommen sind; mit anderen Worten: wenn die Welle rollt. Ob dann ein Tsunami draus wird, stellt sich später heraus. Manchmal entwickelt die vielfache Kopie des Gleichen eine  Übersättigung, wie bei den Koch- und Casting-Shows, manchmal wird auch ein neuer Standard gesetzt wie bei Flach-Fernsehern und –  beim Thema Bad ankommend –, vielleicht auch der ultradünnen Sanitärkeramik. Waschschalen, die so filigran wie Salatschüsseln und so scharfkantig wie abgekantetes Metall sind, waren spätestens auf der letzten Leitmesse ISH die Hingucker an vielen Ständen.


Dabei weiß man schon kurz nach dem Big Bang des neuen Trends oft gar nicht mehr: „Wer hat’s erfunden?“ – denn zu oft hat man die vermeintlich singuläre Innovation bereits schon wieder anderswo gesehen. Das war auf der ISH ein bisschen das Schicksal der edlen Schweizer Marke Laufen. Dort hatte man seit mehreren Jahren an der Verfeinerung der Badkeramik gearbeitet, Zwischenschritte quasi häppchenweise vorgestellt, um nun mit dem ultrafeinen Design von Konstantin Grcic und Toan Nguyen in Frankfurt aufzutrumpfen. Kaum hatte man über die engen Radien und dünnen Wandstärken von SaphirKeramik gestaunt, glänzte bei Villeroy & Boch bereits das  TitanCeram in Gestalt etlicher neuer Waschbecken. Doch von einem Kampf bloß zweier etablierter Rivalen kann schon keine Rede mehr sein: Italiener mit starker Designausrichtung wie Cielo (mit dem dünnen Material ExtràCeramic) und kleine Anbieter wie Valdama und Aetitalia, um nur diese zu nennen, setzen auch schon öffentlichkeitswirksam auf strenge Diät bei ihrer Keramik. Erstaunlich: Selbst kleine, hierzulande kaum bekannte Hersteller haben es geschafft, Zugang zu dem innovativen Material zu finden.


Das ist für den Hersteller schmerzlich, der viel Forschung in „seine“ Keramikneuheit gesteckt hat, aber auf jeden Fall ist mit dem Trend  zu filigranen Waschbecken ein neues Gestaltungsfeld eröffnet, wovon alle profitieren (und nicht zuletzt die Stahlemail-Spezis, die ebenfalls auf die ultraschlanke und präzise Linienführung setzen). Die eleganten Schalen faszinieren optisch, laden zum Berühren ein und werten den Waschtisch auf, ohne das Budget zu sprengen.

Ein-Knopf-Bedienung (Axent). Ein-Knopf-Bedienung (Axent). Raumsparend integrierte Technik (Duravit). Raumsparend integrierte Technik (Duravit). Chromring als Akzent am (Geberit). Chromring als Akzent am (Geberit).

Messetrend - Dusch-WC allerorten

Das Schöne am Thema Bad ist ja, dass sich Funktionalität und Design auf immer wieder überraschende Weise verbinden, neue Lösungen für universale Bedürfnisse entstehen und auch neue Wünsche geweckt werden, für die wir bis vor kurzem noch keinen rechten Bedarf sahen. Mit dem auf der Messe ISH 2015 en masse anzutreffenden Dusch-WC ist es jedenfalls so: Kaum ein namhafter Sanitärkeramiker, und sogar mancher Nischenanbieter aus dem Konsum- wie dem Design-Bereich, der nicht dabei sein will. Dabei ist das Turbo-Klo in hiesigen Breiten sozusagen noch ein Exot.

Aber es sprudelte auf der Messe nur so in den WC-Schüsseln (unter Plexiglas, natürlich) – ob bei schon etablierten Anbietern wie Geberit und Toto oder den hiesigen Global Players wie Villeroy & Boch, Duravit und Grohe. Zeitweise hatte man auf der Messe den Eindruck, hier sei nach Branchenmeinung „das nächste große Ding“ im Anrollen. Das klingt noch ein wenig nach Hypothese & Hoffnung. Denn zwar kann man gegenüber dem Endanwender mit guten Argumenten – Hygiene, Komfort, Gesundheit – antreten, aber einige Schranken sind doch zu durchbrechen, nicht nur kultureller Art. Für die breite Akzeptanz ist es nötig, die Modelle weniger nach Jumbo-Jet, sondern mehr nach „normalem WC“ aussehen zu lassen. Und die Palette der Funktionen und Programmierungen – von der Sitzheizung bis zur charmanten Geräuschkulisse – muss auf ein sinnvolles Maß begrenzt werden und intuitiv verständlich sein. Hier dürfen also nicht nur Ingenieure und Technikfans den Ton angeben.

Bei diesen Kriterien gehen z. B. Geberit und Axent bereits einen vielversprechenden Weg. Letztgenannter (bei dem übrigens ex-Geberit Manager arbeiten) punktet mit einer Ein-Knopf-für-alles-Bedienung. Ein Komfort, den auch das Grohe-Modell aufweist, das mit seinem rückwärtigen Tank allerdings noch etwas voluminöser wirkt. Und was die Bedienung angeht: Alle bieten die handliche Fernbedienung, aber fraglich ist, ob man sich damit wirklich auf dem Örtchen beschäftigen will – mal abgesehen davon, dass sie schnell irgendwo abgelegt wird, wo der Nachfolgende sie nicht findet.




Waschtisch mit Holzgestell (antoniolupi) Waschtisch mit Holzgestell (antoniolupi) Lederbezug am Waschbrunnen (Falper) Lederbezug am Waschbrunnen (Falper) Badobjekt mit Holzsockel (Neutra) Badobjekt mit Holzsockel (Neutra)

Wohnlichkeit

durch Materialmix


Eine angenehme Atmosphäre im Bad, mehr Aufenthaltsqualität, eine schöne Haptik: Dass das Bad zum Wohnen gehört und nicht nur funktional zu sehen ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die in diesem Frühjahr, wie alle zwei Jahre, in Frankfurt stattfindende Branchenmesse „ISH“ wird in Kürze wieder eine Menge wohnlicher Ideen für das Bad präsentieren. Nicht nur perfektionierte Komforttechnik motiviert zur Renovierung, sondern auch ein völlig neues Bild vom Bad: Emotionaler darf es werden, designorientiert sowieso, und mit charmanten Materialien.

Zitate aus der Natur gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung: ob als Inspiration in der Formgebung wie bei manchen neuen Armaturen, aber auch im Einsatz von natürlichen  Materialien. Holzoberflächen reizen immer wieder namhafte Trend-Anbieter zu neuen, ungewöhnlichen Kreationen und Kombinationen am Waschplatz. Holz dient bei neuen Serien dazu, die nun einmal kalte Ausstrahlung von glasierter Keramik oder die technische Anmutung von Mineralguss auszubalancieren, das Pflegeleichte mit der warmen Haptik zu versöhnen. Bei den Badobjekten von Porcelanosa oder Neutra geht es nicht mehr darum, das Thema Holz in eine geometrische Form zu pressen oder Minimalismus in Furnier darzustellen, wie das noch bei den Starck-Waschtischen der Fall war, sondern es geht um eine geschmeidige Optik. Sie ist ein bisschen retro, weil Holz eben fast immer etwas traditionell anmutet, aber vor allem haptisch.

Und was Wärme im Bad angeht: Sogar Lederoberflächen veredeln manch neues Design am Waschtisch, etwa bei den exklusiven, tonnenförmigen Waschbrunnen von Falper. Auch die Türen der hochwertigen Badmöbel von Karol gibt es inzwischen mit Leder kaschiert. Das erinnert dann schon deutlich an Manufaktur-Arbeit und exklusive Wohnwelten. Und nicht von ungefähr ist das Holzgestell der Waschtische „Armonia“ beim Trendsetter Antonio Lupi besonders schwungvoll und filigran verarbeitet: Kombiniert mit weich gerundeten Waschtischen entstehen auf diese Weise sehr stimmungsvolle, assoziative Badobjekte: Man möchte über das Holz streichen, ebenso wie das Leder der Wasch- brunnen (Falper) berühren – mehr Wohnlichkeit geht kaum.

Klassiker Balocchi zelebriert Farbenvielfalt (Fantini). Klassiker Balocchi zelebriert Farbenvielfalt (Fantini).




Uno-2 in der Sonderoberfläche Brushed Black (Axor). Uno-2 in der Sonderoberfläche Brushed Black (Axor).




Supernova mit Champagne Oberfläche (Dornbracht). Supernova mit Champagne Oberfläche (Dornbracht).

Individualisierung ist Trend

Es liegt eine neue Art von Luxus in der Luft: Es mag ein wenig an der Weihnachts- und Jahresendstimmung, aber es gibt auch einen unmittelbaren Bezug zum Gegenstand dieser Website. Nicht um noch großzügigere Regenduschen geht es oder ausgefallene, freistehende Wannen, sondern um die Personalisierung von Produkten, die einerseits im Katalog ausgesucht und andererseits als Einzelstücke veredelt werden. Zunehmend gefragt sind Armaturen und Badaccessoires stilvoll in Mattschwarz, Bi-Color Gold-Chrom oder einer Lieblingsfarbe, womöglich veredelt mit einem Monogramm. In der Schweiz wurden unlängst schon mal Großhändler mit Brausen beschenkt, die einen individuellen Gruß eingebrannt hatten. Lasertechnik macht‘s möglich. Anderenorts waren Bediengriffe in Holz, passend zum besonderen Naturstein des Waschtisches, gefragt; auch Applikationen mit Strass-Steinen sind schon verwirklicht worden. Der Kunde ist König. 

 

Umgesetzt werden die individuellen Wünsche bislang bei den auf solche Sonderlösungen spezialisierten Manufakturen unter den Top-Herstellern wie Dornbracht oder Axor. Die Marktkenner verzeichnen rasante Nachfrageentwicklung und sind sich sicher: In der Individualisierung steckt noch enormes Potenzial. Die äußerst vielfältigen Möglichkeiten der Veredelung von, sagen wir ruhig: Standardprodukten höchster Qualität, müssen dem Bad-Endkunden nur noch bekannter werden. Sonderfarben wie Gold-Optik und Matt-Schwarz sind ja erst der Anfang, vergleichsweise trivial, die Musik spielt bei Anpassungen quer über das Markenprogramm: Warum nicht Waschtischmischer X mit dem charmanten Griff von der Serie Y ausstatten, wenn‘s besser gefällt; oder die Waschtischarmatur A mit der Bedientechnologie B kombinieren, die beispielsweise rund ums Waschbecken platziert werden kann und zusätzliche Freiheit für Planer und Benutzer eröffnet? Der Auslass ein bisschen höher, ein bisschen niedriger, wie es gerade individuell perfekt passt: Das gehört in den Manufakturen zum täglichen Brot.

 

Das ganze Thema ist natürlich beratungsintensiv und reizt daher den Planer individueller Bäder high end, und es kann auch Kunden noch ein Stück weiter zum Wunschbad führen. Mit ein bisschen Spielraum im Budget, sagen wir‘s ganz offen.

Bad-Tapete statt Patina auf Putz ( Wall & decó) Bad-Tapete statt Patina auf Putz ( Wall & decó) Wandgestaltung mit antoniolupi (Serie Affreschi). Wandgestaltung mit antoniolupi (Serie Affreschi). Gegenständlich: Tapetenwand mit Wall & Decó. Gegenständlich: Tapetenwand mit Wall & Decó.

Wand-Wechsel

Rückkehr der Tapete


Das ging schnell:  Kaum ist die Tapete ins Wohnen zurückgekehrt und wird auch bei jüngeren Renovierern wieder geschätzt – dank neuer Glanz-Effekte, faszinierender Muster und nicht zuletzt neuem Komfort beim Verarbeiten –, da scheint der Trend auch schon das Bad erreicht zu haben. Jetzt stellte der innovative Wanddeko-Spezialist Wall & Decó erstmals auf der Bau- und Fliesenmesse Cersaie aus: Die faszinierenden Wandflächen mit grafischen Ornamenten, Fantasie- und Patina-Kreationen eröffnen für viele Beobachter auch neue Optionen für das Bad. Das künstlerisch bedruckte Gewebe unter dem Namen System Wet ist dank einer zweiten Oberfläche fit für Feuchträume und soll sich auch in der Dusche bewähren. Das fugenlose Bild ist mit seinem zeitgemäßen Design nicht mehr mit der Tapete von Gestern zu verwechseln.

Die neue Tapetenkunst reiht sich damit in eine Serie neuer Trends für die Wandoberflächen ein: Bereits vor einem Jahr präsentierte der High end-Badanbieter antoniolupi mit Affreschi eine Gestaltungsidee für ganze Wandflächen, die auf Drucktechnik basiert und sich an alten Vorbildern orientiert. Nicht umsonst wird mit dem Titel auf alte Freskenmalerie verwiesen, die Bilder im noch feuchten Putz auf die Wand brachte. Antoniolupi bietet seine gleichfalls faszinierenden Dekore als rapportfreie Streifen und in einem Design an, dass sich harmonisch über Meter hinweg seitwärts ergänzen lässt – also von der zwei Meter breiten Wand hinter der Wanne bis zu Längsachsen darüber hinaus. Es spricht nichts dagegen, die Affreschi oder das System Wet im trockenen Flur oder in angrenzenden Räumen fortzusetzen.

Man kann über diesen Durchbruch des Dekorativen im Baddesign spekulieren: Ist dies der endgültige Schritt ins Wohnbad? Womöglich die Rückkehr des Boudoir und eleganten, femininen Badezimmers? Vielleicht zuerst einmal nur eine willkommene Wahlmöglichkeit, etwas anderes als Keramik- oder Glaspaneele auf die Wand zu bringen. Nicht zuletzt: eine im Vergleich zu Fliesensanierung oder  -ersatz weitgehend schmutz- und staubfreie Verschönerung.

Wannenarmatur mit Ablageteller (Laufen) Wannenarmatur mit Ablageteller (Laufen)



Terrasse für all die kleinen Dinge (Axor). Terrasse für all die kleinen Dinge (Axor).



Puristische "Wannenbrücke" (Bette). Puristische "Wannenbrücke" (Bette).

Ablagen:

dringend gesucht, neu erfunden


Ablagen – obwohl der Begriff nicht gerade sexy klingt, beflügelte er unlängst die Fantasie der Badhersteller: unmittelbar an der Armatur, und zwar in verblüffend neuer Gestalt, oder als Extra an der Wanne, wo man es bis vor kurzem nicht für möglich gehalten hätte. Kartell by Laufen platziert ein Ablagetellerchen auf der Waschtischarmatur, wo Seife oder Nassrasierer samt Zubehör nach Benutzen des Wasserhahns im Handumdrehen abgelegt werden können. Vorteil: da sich die tropfnassen Hände praktisch gar nicht aus dem Beckenbereich hinausbewegen – anders als bei Ablagen seitwärts auf dem Waschtisch oder auf der Vorwandinstallation – geht weniger daneben.

Integrierte Ablagen an der Armatur sind auch bei Axor ein Thema: oben auf der Wasserschwall-Armatur Axor Massaud, wobei das Abstellen häufig benutzter Lotionspender wohl ein Kratzspurenrisiko birgt, man sollte also zu weichen Kunststofffläschchen greifen. Das muss auch bei Kartell bedacht werden, denn Acrylglas ist nicht gerade unempfindlich. Dafür kann man das Tellerchen zum Reinigen abnehmen... Am Waschtisch buchstabiert Axor Bouroullec das Thema noch mal auf eigene Weise durch: mit gestaffelten Flächen wie terrassierte Felder in einer Reisplantage, wo gegebenenfalls die Armatur vom Stammplatz in der Mitte verdrängt und Platz für nützliche Kleinigkeiten geschaffen wird.

Das Tablar von Kartell macht sich auch auf der bodenstehenden Wannenarmatur nützlich. Der Trend zu freistehenden Wannen hat ja die Frage „Wohin mit den Fläschchen?“ bisher weitgehend ignoriert. Die freistehende Wanne kann kaum noch als solche gelten, wenn sie gleich neben der Wand positioniert ist, wo vielleicht eine Nische als Ablage dient. Zum Glück haben aber auch Wannenhersteller die Ablagen „entdeckt“: Ob es die Wanne mit einem extra breiten, flachen Rand ist (z. B. Bette) oder ein Modell wir das von Casa Idea, bei dem der Abstellplatz in das Korpusdesign integriert ist. 

Für die Wannenablage gibt es noch eine alte Idee, die schon in grauer Vorzeit bekannt war: das Brett quergelegt; auch als Wannenbrücke bekannt. Davon hat sich möglicherweise ein Designteam inspirieren lassen, das das Holzrost innerhalb des Waschbeckens (seitlich versetzt) vorschlägt. Eine besonders puristische, elegante Wannenablage hat Bette im Programm.

Cyprum ergänzt Dornbracht-Sortiment Cyprum ergänzt Dornbracht-Sortiment



Bronze-Armatur von Gessi Bronze-Armatur von Gessi



Metallfarbene Armaturen von Axor Metallfarbene Armaturen von Axor

Leicht errötet:

Armaturen entdecken metallische Farben von Kupfer bis zu Gold-Rosé


Wer in diesem Frühjahr über die Neuheitenmessen ging, kam an einem Trend eigentlich gar nicht vorbei – egal, ob er sich im Bad-Bereich des Mailänder Salone del Mobile oder bei der Light & Building in Frankfurt umschaute: Metalle entdecken die Farbe wieder. Metallische, „natürliche“ Farben wie warm schimmerndes Kupfer-Rot und Bronze, Rot-Gold und poliertes Messing verleihen Badarmaturen wie Lampenschirmen neue Hinguckerqualität, auch bei Möbelgestellen und nicht zuletzt Küchenarmaturen erröten die Metallobjekte und machen sich optisch wieder anheimelnd warm.

Das ist insofern erfreulich, als es einfach die Wahlmöglichkeiten für den prominentesten Platz im Bad erweitert, und dies in gestalterisch anspruchsvoller Weise. Denn die neuen Oberflächen (meist handelt es sich ja nicht um neue Modelle, sondern nur ein neues „finish“) sind vor allem in Kombination mit weiß glasierten Waschbecken oder zur weißen Wanne kombiniert ein Designhighlight. Der warme Metallglanz passt auch hervorragend zu Waschtischoberflächen aus Naturstein, ob sie nun mattgrau oder aus Marmor und Kalkstein sind. Auf einer hellen Kalksteinplatte greift der starke Bronzeton die Wärme des Materials auf, Marmor ergänzt die gold-glänzende oder  messingfarbene Armatur ganz im Sinne des Gestalters (oder Bauherrn).

Ganz neu sind die natur-metallischen Farben im Grunde genommen nicht: Hersteller mit Sonderanfertigungen wie die Axor Manufaktur haben mit Gold-Optik, Messing-Finish und Nickel seit langem Angebote über den Chrom-Standard hinaus. Und auch die anderen, namhaften Armaturenhersteller bieten diese Alternativen an. Allein, es fehlte bisher der Mut, es mit einer neuen, kräftigen Metallfarbe noch mal beim Badkunden zu versuchen.

„Cyprum“ von Dornbracht ist so ein Versuch, und der neue Bronzeton, den Wettbewerber Gessi in Mailand zeigte, nicht weniger. An sich der richtige Zeitpunkt, denn Wärme und Sensibilität kehren ins Bad zurück.