Die Entwicklung des Bades

Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte hat sich die Gestaltung der Bäder und Sanitärobjekte immer wieder stark verändert. Selbst im Bad lässt sich die jeweils aktuelle Mode ablesen. Auch das neueste Design von heute wird in dieser schnelllebigen Zeit nur ein paar Jahre aktuell sein. Daher geht man dazu über den Menschen und seine Rituale in den Mittelpunkt der Gestaltung zu rücken. Zwar verändern sich auch diese im Laufe eines gesamten Lebens – doch ist der Zeitraum wesentlich länger.

Im Rahmen der Veranstaltung 'Umbau kompetent managen' an der VHS Stuttgart hat Brigitte Beuttenmüller von der Badmanufaktur Beuttenmüller einen Vortrag unter anderem zum Thema Entwicklung des Bades gehalten. Dieser bildet die Grundlage des hier veröffentlichten Artikels.

Die Anfänge

Eine allgemeine Verbreitung von Badezimmern in Deutschland fand erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Bei Neubauten in den Fünfzigern sprach man noch von einer Nasszelle. Zuvor wurde in Wannen, Bottichen oder Zubern in der Küche, Waschküche oder in Städten in öffentlichen Bädern, den so genannten Volksbädern gebadet. In Mietshäusern war die Toilette häufig als Gemeinschafts-WC auf dem Treppenabsatz untergebracht. Ein Badezimmer konnten sich bis zu diesem Zeitpunkt nur sehr wohlhabende Leute leisten. Denn es musste ein extra Zimmer, das möglichst beheizt war, fließendes Wasser, ein Anschluss zur Hauskanalisation, ein extra Ofen oder Boiler, um relativ viel Wasser zu beheizen und letztendlich eine Wanne vorhanden sein. Eine Übergangsform stellt das so genannte Frankfurter Bad dar, die Badewanne oder Dusche befand sich bei dieser Art von Wohnung in einer Nische der Küche oder auch des Schlafzimmers. Die Badewanne war fest installiert und meist war auch noch ein Badeofen untergebracht. Die Nische war durch Vorhang oder Schiebetür vom restlichen Zimmer abgetrennt. Noch heute gibt es Wohnungen mit Bädern dieser Art zu mieten.

Nachkriegszeit

In den Nachkriegsjahren war das Bad als eigener Raum die Errungenschaft, ein eigener Raum für Waschtisch, Badewanne und WC. Viel Platz wurde dafür nicht eingeplant, viel Luxus in der Ausstattung auch nicht, denn Luxus war der separate Raum. Eingebaut wurden voneinander unabhängige Einzelprodukte, deren Gestaltung rein funktionalen Gesichtspunkten folgte.

Weiterentwicklung

In den darauf folgenden Jahrzehnten hält die fortschreitende Technisierung auch im Badezimmer Einzug. Der Einbau von funktionsoptimierten Produkten, wie Gastherme, Einhandmischer, Thermostat, Whirlpool, aber auch einfacherern Produkten wie Bidet, Spiegelschrank, Duschabtrennung und Waschtischablage erfolgt erstmals. Außerdem etablierte sich ein weiterer Luxus: das Gäste-WC. Als Gegengewicht zu diesen funktionalen Elementen wurde mit viel Farbigkeit gearbeitet. Beliebte Farben waren orange, braun, gelb und grün.

Eine Errungenschaft, über die man heute nicht mehr so froh ist, sind die innenliegenden Bäder. Damals eine sehr willkommene Lösung, konnten Wohnräume größer und repräsentativer mit großen Fenstern gestaltet werden. Das Bad im Innern blieb ohne Fenster. Diese künstlich belüfteten Räume erwiesen sich aber mit den Jahren raumklimatisch als ungünstig.

80er- und 90er-Jahre

In den 80- und 90er Jahren erobert das Design endlich die Badezimmer. Es wurden formal und funktional harmonische Produktsysteme entwickelt und installiert. Ob traditionell oder progressiv, die unterschiedlichsten Formensprachen waren zu finden. Eckbadewannen, ja sogar freistehende Wannen wurden eingebaut, das Gäste-WC wuchs zum Gäste-Bad. Insgesamt lässt sich sagen, dass man ganzheitliche Produktkonzepte entwickelte.

Heute

Heute ist man dazu übergegangen die persönlichen Wünsche der Nutzer mehr zu berücksichtigen, es werden angrenzende Räume in die Gestaltung einbezogen, Räume, die als solche nicht vorgesehen waren, werden zu Bädern ausgebaut oder umgenutzt. Der Raum als Ganzes wird in Betracht gezogen und ein entsprechendes Gestaltungskonzept entworfen.

Für die Zukunft lässt sich vermuten, dass die Rituale jedes Einzelnen die individuelle Badarchitektur bestimmen werden. Viele Badeinrichter, -planer, - und -hersteller haben persönliche Rituale und deren Bedeutung im Alltag jedes Menschen wiederentdeckt.

Was ist ein Ritual?
Ein Ritual ist eine nach festen Regeln durchgeführte Handlung mit symbolischem Charakter. Es handelt sich um ein „Zelebrieren“ von regelmäßig wiederkehrenden Handlungen. Diese bilden den Rahmen für die täglich wiederkehrenden Abläufe. Ein Ritual ist auch eine Ordnungs- und Lebenshilfe.
Persönliche Rituale (Nutzungsformen) bestimmen zunehmend die Gestaltung des Bades, so steht der Mensch im Mittelpunkt der Raumgestaltung. Seine persönlichen Rituale sind Planungsbasis. Das Bad wird zum persönlichen Lebensraum.

Welche Rituale sind im Bad denkbar?
Persönliche Rituale können beispielsweise das Entkleiden, Sich- Betrachten, Duschen, Baden, Ruhen, Schminken, Schmuckablegen, die Maniküre oder das Lesen auf dem WC sein.
Alle regelmäßig wiederkehrenden Tätigkeiten und Abläufe, die einem wichtig sind, können zelebriert oder „ritualisiert“ werden.