Generationenbad

Auswirkungen des Megatrends „Gesundheit“ und des demografischen Wandels auf die Badgestaltung

Egal in welchem Alter: Wir ernähren uns insgesamt bewusster, treiben mehr Sport, achten mehr auf die körperliche Fitness. Der Megatrend „Gesundheit“ und der zunehmende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft nehmen immer mehr Einfluss auf die Gestaltung von Wohnraum. Dies gilt insbesondere  für das Bad.



Das eigene Zuhause wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. Es wird mehr und mehr zum unverzichtbaren privaten Rückzugsort. Noch nie war der Wunsch nach Wohlfühlen und Entspannen in der eigenen Wohnung  größer. Hinzu kommt der „Body & Health-Trend“, den das Zukunftsinstitut wie folgt beschreibt: „Ein neues bis dato nie dagewesenes Gesundheitsbewusstsein kombiniert mit der Überzeugung, dass Körper eigenverantwortlich gemanagt werden können und müssen.“ Gesundheit in diesem Sinne ist viel mehr als die Abwesenheit von Krankheit.  Die Branchen Food, Kosmetik, Sport und Freizeit, Pharmazie und Medizin sind längst auf diesen Zug aufgesprungen.  In der Modernisierung von Bädern im privat genutzten Eigenheimen, aber auch im Bereich gehobener vermieteter Wohnungen ist der Trend für uns als Badeinrichter in der Praxis schon deutlich spürbar.

Früher oder später wird auch die Wohnungswirtschaft insgesamt sicher diesem Trend Tribut zollen müssen, wenn es um die Vermietbarkeit von Wohnungen im Wettbewerb und die Erzielung hoher Mieten geht.  Gleichzeitig ist die Barrierefreiheit schon beinahe ein Muss, denkt man die zunehmende Anzahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft. 

Das Bad liegt gemeinsam mit Wohnzimmer und Küche bei den Bundesbürgern vorn, wenn es um Wohnbereiche geht, die künftig wichtiger bzw. viel wichtiger werden. Das besagt die aktuelle GfK-Studie der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Das verwundert nicht weiter, denn schließlich  gibt es keinen besseren Ort in den eigenen vier Wänden, der besser als das Bad geeignet wäre, ohne großen Aufwand Prophylaxe  und Pflege des eigenen Körpers zu betreiben.

Regeneration von Körper, Geist und Seele kann auch in einem kleinen Bad hervorragend gelingen. Denn der allerwichtigste Faktor ist nicht viel Platz, es ist Wasser. „Wasser wirkt!“ Das lehrte schon der berühmte Pfarrer Kneipp im 19. Jahrhundert.  Um den Alltag zu erfrischen, die gesundheitsfördernde Wirkung von Wasser zu nutzen und die Fitness aufleben zu lassen, benötigt man keine teuren  Ausstattungsgegenstände.  Das A und O ist die Berücksichtigung der Gesundheitsaspekte und der Barrierefreiheit  bei der Planung des Bades und der Auswahl der Ausstattungsgegenstände. Einige Tipps hierzu aus den Planungsbüros führender Badeinrichter:

Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)

Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)

● Für Wasseranwendungen nach dem Vorbild der Kneipp´chen Güsse ist lediglich ein im Dusch- oder Wannenbereich angebrachter zusätzlicher  „Kneippschlauch“, der einen Durchmesser von 2 cm aufweisen sollte, erforderlich. Er sollte an Kalt- und Warmwasser angeschlossen sein, um auch die gesundheitsfördernden Wechselgüsse ausführen zu können.

● In einer Badewanne lässt sich bekanntlich gut entspannen. Allerdings sollte daran gedacht werden, den Einstieg auch für den Fall einer eingeschränkten Beweglichkeit  so leicht wie möglich zu gestalten. Verschiedene Hersteller bieten z.B. Wannen an, die durch eine seitliche Einstiegstür zu begehen sind und so gleichzeitig als Dusche dienen.

● Wenn nicht genügend Platz für eine Wanne ist, könnte  eine etwas großzügiger geschnittene, möglichst bodengleiche Dusche zum Einsatz kommen. Mit ihr können vor allem dann Prophylaxe und Barrierefreiheit  gleichzeitig erfüllt werden, wenn sie eine Sitzgelegenheit aufweist. Formschöne Klappsitze und auch eine geflieste Sitzbank an der hinteren Wand ermöglichen einen entspannten Aufenthalt in der Dusche auch im Sitzen. Das kommt nicht nur Menschen mit Handikap zugute. Eine nach einem stressigen Arbeitstag im Sitzen genossene ausführliche  Dusche oder ein vor dem Schlafengehen ausgeführter wechselwarmer Knieguss bewirken wahre Entspannungswunder.

● Design und Komfort dürfen keine Gegensätze sein. Niemand fühlt sich in Krankenhausatmosphäre wirklich wohl. Wichtig ist es, ergonomische und sichere Sitz- und Standmöglichkeiten zu bieten (z.B. mit  formschönen Haltegriffen, rutschfesten Bodenbelägen o.ä.) und auf gute Erreichbarkeit und Bedienbarkeit für kleine Kinder zu achten. Dies alles sollte harmonisch in einem stimmigen Gesamtkonzept mit zeitgemäßer Ästhetik zusammengebracht werden.

 

Laut GfK-Studie sehen die Deutschen ihr Wunschbad eher pragmatisch. Es soll in erster Linie pflegeleicht (96 %) und zweckmäßig-funktional (90 %) sein. Bereits knapp dahinter folgt die altersgerechte Ausstattung. Sie steht bei inzwischen 88 % der Bevölkerung auf der Wunschliste, während lediglich 42 % diese Kategorie ihrem Ist-Bad zuordnen.  Erfüllbare Wünsche  – auch für Mieter. Denn werden alle die oben genannten Tipps befolgt, kann ein Mieterbad zu einem echten „Generationenbad“ werden.  Das geht  gleichzeitig auf die Bedürfnisse gesundheitsorientierter, entspannungsbedürftiger und älterer Menschen ein als auch auf die Erfordernisse von Familien mit Kindern und ist somit für viele Zielgruppen attraktiv.